„Das beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich und kann zu verschiedenen Problemen wie Schlafstörungen, Stressinkontinenz und Kopfschmerzen führen. Betroffene sollten die zugrundeliegende Erkrankung abklären lassen“, rät Lungenspezialist Dr. Peter Kardos, Facharzt am Zentrum für Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin der Klinik Maingau in Frankfurt am Main. Um das medizinische Personal bei der spezialisierten Diagnostik und Therapie zu unterstützen, ist jetzt unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) die aktualisierte S2k-Leitlinie „Fachärztliche Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten“ erschienen. Kardos: „Wir haben die Leitlinie sowohl methodisch als auch inhaltlich umfassend aktualisiert.“
Nach zwölf Schlüsselfragen in tabellarischer Form strukturiert
Insgesamt neun Fachgesellschaften und Institutionen waren an dem einjährigen intensiven Aktualisierungsprozess beteiligt. Die Autoren der neuen Empfehlungen beschäftigen sich dabei nicht nur mit dem chronischen Husten, sondern auch mit dem bis zu drei Wochen andauernden akuten Husten sowie dem subakuten Husten, der bis zu acht Wochen anhalten kann. „Vor allem in den Wintermonaten ist davon rund jeder Dritte betroffen“, sagt Kardos. Aber auch das Rauchen sowie das Einatmen von Luftschadstoffen führe zu verstärktem Husten. „Neu ist vor allem, dass wir diese Leitlinienversion nach zwölf Schlüsselfragen in tabellarischer Form zu den wichtigsten Aspekten der Diagnose und Therapie von verschiedenen Hustenformen strukturiert haben. Dadurch konnte der Umfang gegenüber der vorherigen Version aus dem Jahr 2019 erheblich reduziert werden – was zu einer verbesserten praktischen Anwendung führt“, erklärt Kardos. Maßgeblich unterstützt wurde er bei der Leitlinien-Aktualisierung von Privatdozent Dr. Thomas Köhnlein, niedergelassener Facharzt für Pneumologie und Schlafmedizin im Pneumologischen Facharztzentrum Teuchern.
Bedeutung der Computertomografie herausgestellt
Das neue Werk richte sich vor allem an Pneumologen, aber auch HNO-Ärzte, Gastroenterologen, Allergologen, Internisten, Logopäden und Physiotherapeuten. Beleuchtet werden in der Leitlinie auch neue Untersuchungsmethoden: „Wir haben beispielsweise die Bedeutung der Computertomografie etwas mehr herausgestellt, denn es gibt einige pulmonale Erkrankungen, die chronischen Husten verursachen, die sonst nicht diagnostiziert werden können“, erläutert Kardos, der auch Vorstandsmitglied der Deutschen Atemwegsliga (DAL) ist. Ebenso wurde der Part zu gastroenteralem Reflux weiter konkretisiert, denn: „Wenn jemand klassische Symptome von Reflux wie Sodbrennen oder Aufstoßen hat, dann sollte er auf Reflux behandelt werden, um auch diese mögliche Ursache für chronischen Husten anzugehen“, ergänzt der Pneumologe. „Wenn jedoch nur der Husten, aber kein Sodbrennen, keine Regurgitation bestehen, sollten die behandelnden Mediziner keine Refluxtherapie einleiten und gegebenenfalls eine gastroenterologische Spezialdiagnostik veranlassen, wenn der Verdacht auf Reflux-Husten weiterhin besteht.“
Abgrenzung zur DEGAM-Leitlinie
Das Leitlinien-Update grenze sich von der S3-Leitlinie „Akuter und chronischer Husten“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ab. „Die Leitlinie der DEGAM ist auf die leichteren Fälle fokussiert. Falls nicht auf den ersten Blick klar ist, wo der Husten herkommt, dann kommen die Spezialistinnen und Spezialisten ins Spiel. So ergänzen sich beide Leitlinien sehr gut“, sagt Kardos. Sein Hinweis an fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen: „In Fachkreisen gibt es durchaus noch die Einstellung: Wenn ich die Ursache für einen Husten nicht finde, dann bin ich ein schlechter Arzt oder eine schlechte Ärztin. Heute wissen wir aber, dass es auch Husten gibt ohne fassbare Ursache – der Grund liegt in einem überempfindlichen Hustenreflex. Auch das wird ausdrücklich in der Leitlinie behandelt.“
Quelle: DGP
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