Zecken & FSME: Wie wird 2025?

Impfung schützt gut
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Zeckenwarnschild im Wald
© gabort/stock.adobe.com
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Die Zecken sind früh aktiv und bereits im Januar 2025 wurden die ersten FSME-Fälle gemeldet. Im Vorjahr meldete das Robert Koch-Institut die zweithöchste Zahl an FSME-Fällen seit Beginn der Meldepflicht.

Wieder ist ein zeckenreiches Jahr zu erwarten: Durch die warmen Winter sind Zecken ganzjährig aktiv, viele überleben die milden Wintermonate. Diese Winteraktivität wurde bereits in den letzten Jahren beobachtet, berichtete Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Leiterin des Fachgebiets Parasitologie der Universität Hohenheim, auf einer Pressekonferenz. Das führt dazu, dass bereits im Januar 2025 die ersten FSME-Fälle gemeldet wurden, unter anderem in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen. Prof. Dr. Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, betonte: „Bis zum Ausbruch der Erkrankung vergehen etwa drei Wochen. Die Infektionen müssen also mitten im Winter stattgefunden haben.“ Im Vorjahr meldete das Robert Koch-Institut die zweithöchste Zahl an FSME-Fällen seit Beginn der Meldepflicht. Besonders bemerkenswert: Auch in Landkreisen, die noch nicht offiziell als Risikogebiete gelten, werden viele FSME-Fälle registriert. Dobler mahnte, dass damit ein Infektionsrisiko in ganz Deutschland vorhanden sei. Er habe bei Begehungen zu Jahresbeginn bereits viele Zecken gesammelt. Er rät dringend zur Impfung. Folgt das Jahr 2025 dem typischen 2-Jahres-Zyklus, müssten im laufenden Jahr allerdings weniger FSME-Fälle gemeldet werden. Seit einigen Jahren schon sehen die Forschenden einen zweijährigen Rhythmus mit hohen Erkrankungszahlen in jedem zweiten Jahr statt wie früher in jedem dritten Jahr. Doch Mackenstedt gibt keine Entwarnung. Es handele sich seit Jahren trotz der zyklischen Schwankungen um einen ansteigenden Trend. Vergleiche man das Jahr 2023 als „schwächeres“ Jahr mit dem Zeitraum von 2001 und 2015 sei es hingegen das zweitstärkste Jahr, so Dobler. Mackenstedt: „Seit 2017 steigen die Fallzahlen kontinuierlich an. Aktuell ist jedoch noch unklar, wie hoch die Erkrankungszahlen im Jahr 2025 ausfallen werden.“

"Ganz Deutschland ist FSME-Risikogebiet"

Insgesamt 686 FSME-Fälle verzeichnete das Robert Koch-Institut 2024 in Deutschland. Nach einem Rekord im Jahr 2020 mit 718 Fällen ist 2024 damit das Jahr mit den zweithöchsten Fallzahlen. Auch 2024 fanden sich rund 80 Prozent der Fälle in Süddeutschland: „Baden-Württemberg meldete 226 Fälle, in Bayern waren es 311“, führte Mackenstedt aus. „Bis auf Hamburg und Schleswig-Holstein haben allerdings alle Bundesländer Fälle in 2024 gemeldet“, so Dobler. „Das Risiko, sich mit FSME zu infizieren, besteht inzwischen also in ganz Deutschland.“ Er plädiere deshalb dafür, ganz Deutschland als Risikogebiet zu bezeichnen. Und die Gebiete, die das RKI ausweist, als Hochrisikogebiete mit einer Inzidenz von mehr als 1/100.000 zu bezeichnen. Dies wäre auch ein besseres Signal an die Ärzteschaft, die teilweise eine FSME-Diagnostik mit der Begründung der RKI-Gebiete ablehne. Es gebe hier viele Missverständnisse, auch in der Ärzteschaft. Die Karten würden oft falsch interpretiert. Es handele sich nur um Inzidenzkarten, nicht um Karten für das Vorkommen von FSME. Und auch die Zahl der vorhandenen Zecken sei nicht aus den RKI-Karten ablesbar. Mackenstedt gibt sogar zu bedenken, dass beim Flaggen von Zecken im Norden teilweise mehr Zecken gefunden worden seien als im Süden.

Nördlich der Mittelgebirge seien die FSME-Fallzahlen zwar deutlich niedriger, doch auch hier zeige sich ein ansteigender Trend: „Neben Bayern im Süden melden Sachsen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin Höchststände für das Jahr 2024 bei den Erkrankungen“, erläuterte Dobler. Es gebe eine Wanderung des Virus von Ost nach West. Dies sei ein kontinuierlicher Prozess. Ein Stamm aus Polen etwa sei zunächst in Sachsen-Anhalt und später in Niedersachsen und nun auch in den Niederlanden nachgewiesen worden.

Proben von Blutspendern weisen auf hohe Dunkelziffer bei FSME hin

Doch nicht alle FSME-Infektionen werden auch erkannt, wie Forschungsergebnisse von Dobler zeigen. Bereits 2023 hatte der Mediziner Proben von Blutspenderinnen und -spendern aus dem Ortenaukreis auf FSME-Antikörper untersucht. Mithilfe eines speziellen Testverfahrens kann er zwischen Antikörpern aus einer Impfung und aus einer Infektion unterscheiden. Die Ergebnisse aus dem Ortenaukreis weisen auf eine hohe Dunkelziffer hin: „Im Ortenaukreis ist das Infektionsgeschehen um ein Siebenfaches höher als noch vor 40 Jahren, also vor Einführung der FSME-Impfung“, so Dobler.

In Österreich seien rund 80 Prozent der Bevölkerung geimpft. Doch auch hier würden die Fallzahlen ansteigen. Die Blutspender-Untersuchungen würden daher auch auf den österreichischen Raum und andere Regionen in Deutschland ausgeweitet, erklärte Dobler: „So lässt sich feststellen, wie hoch das tatsächliche Infektionsrisiko in unterschiedlichen Regionen ist.“ Erste Daten aus Tirol und Vorarlberg zeigten ebenfalls ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko bei Ungeimpften auf. In einigen Distrikten habe jeder achte Ungeimpfte eine FSME-Infektion durchgemacht.

Mediziner rät zur Impfung

Angesicht der aktuellen Entwicklungen sei eine Impfung derzeit wichtiger denn je. „Bei schweren Infektionen kann FSME zu Langzeitfolgen wie Muskellähmungen, Gleichgewichtsstörungen oder starken Stimmungsschwankungen führen“, sagte Dobler. „Da das Infektionsrisiko in ganz Deutschland vorhanden ist, kann eine Impfung auch für Menschen außerhalb der offiziell ausgewiesenen Risikogebiete sinnvoll sein“, erläuterte der Mediziner. „Und auch bei einer Urlaubsreise in die benachbarten Länder bietet die Impfung einen zuverlässigen Schutz.“ Die Schutzwirkung liege bei über 95 Prozent. In seltenen Fällen könne es Impfdurchbrüche geben. Vermutlich handele es sich dann um ein Mismatch zwischen Antikörper und Virus.

Für eine Grundimmunisierung seien drei Impfungen notwendig. Die Auffrischung müsse alle fünf Jahre, ab dem 50. bzw. 60. Lebensjahr – je nach verwendetem Impfstoff – alle drei Jahre erfolgen. Statistisch sei erst bei einer Durchimpfung von 50 Prozent der Bevölkerung ein Sinken der Fallzahlen zu erkennen: „Bisher erreicht kein Bundesland diese Impfquote“, so Dobler. Doch das spiele für das individuelle Risiko ohnehin keine Rolle: „FSME wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen, weshalb auch eine hohe Durchimpfungsrate nicht das individuelle Risiko senkt.“ Die Impfung biete jedoch einen individuellen Schutz und sei gut verträglich.

Hunde sind ebenfalls gefährdet

Bei Katzen seien bisher keine Antikörper gegen FSME gefunden worden, anders sehe es bei Hunden aus, so Dobler. Bei den Vierbeinern könne auch Hirnhaut und Gehirn entzündet sein. Bei einigen Hunden seien Antikörper gefunden worden. Häufig seien diese Hunde mit neurologischen Auffälligkeiten in die Tierarztpraxis gebracht worden. Aufgrund der bisherigen Untersuchungen geht Dobler davon aus, dass 25 bis 30 Prozent der Hunde Kontakt mit dem Virus haben.

Noch keine Population von Hyalomma

Mackenstedt betonte, dass es aus ihrer Sicht noch keine eigenständige Population von Hyalomma in Deutschland gebe. Die gefundenen Zecken seien durch Zugvögel hierhergekommen. Es gebe sie vermutlich schon seit 10 bis 20 Jahren immer wieder. Diese Zeckenart brauche auf jeden Fall hohe Temperaturen und auch trockene Perioden, um sich häuten zu können. Entsprechend sei bei trockenen Perioden mit mehr Hyalomma zu rechnen. Immer öfter sei auch die braune Hundezecke zu finden. Über Hunde bei Reisen oder Hundeimporte komme diese Zecke ins Land. Während es früher hieß, diese Zecke könne nur in Wohnungen oder Häusern überleben, sei dies inzwischen nicht mehr so, erläuterte Mackenstedt. Über kurz oder lang werde sie auch hier zu finden sein, auch im Freien.

Neuro-Borreliose deutlich seltener als FSME

Bei der Frage nach der Borreliose gab Dobler zu bedenken, dass es bei FSME 3-mal häufiger zu Erkrankungen des ZNS komme im Vergleich zur Borreliose. Zum Großteil seien die Borrelieninfektionen lokal begrenzt und gut behandelbar. Die Diagnostik sei jedoch komplexer und genaue Zahlen fehlten. In bisherigen Studien seien die Zahlen zu mit Borrelien infizierten Zecken mit 15 bis 30 Prozent recht stabil gewesen, so Dobler. Es sei auch keine Kopplung mit FSME zu beobachten. Eventuell komme 2027 eine Impfung auf den Markt.

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