Fluorchinolone wirken, indem sie die Funktion der bakteriellen DNA-Gyrase hemmen. Sie wirken gegen eine Reihe von Erkrankungen und sind hocheffektive Breitband-Antibiotika, sie gelten jedoch als Reserveantibiotika. Aufgrund eines Anstiegs der schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse (UE) innerhalb der 2010er Jahre untersuchte die Europeans Medicines Agency (EMA) erneut die Zulassung und beschränkte den Einsatz dieser Antibiotikaklasse. Trotz dieser Einschränkung werden sie dennoch relativ häufig verschrieben. Zudem war die Datenlage lückenhaft bezüglich unterschiedlicher Subgruppen in Bezug auf das Alter und die Geschlechter, aufgrund derer die EMA ihre Entscheidung traf. Die aktuelle Studie sucht daher, diese Datenlücke zu schließen und in Bezug auf unterschiedliche Altersklassen das Auftreten unerwünschter Ereignisse in Verbindung mit Fluorchinolonen im deutschen Raum zu untersuchen.
Fluorchinolone: signifikante Unterschiede zu anderen Antibiotika
Grundlage dieser bevölkerungsbasierten Kohortenstudie waren Patientendaten der AOK aus dem Zeitraum Januar 2013 bis Dezember 2019. Inkludiert wurden Patientinnen- und Patientendaten, die ≥ 18 Jahre alt waren und innerhalb dieses Beobachtungszeitraums ein Antibiotikum der Fluorchinolone verschrieben bekommen haben (im Vergleich zur Gabe anderer Antibiotika im selben Zeitraum). Der Basiszeitraum ab Verschreibung des Antibiotikums betrug 365 Tage, innerhalb derer das Auftreten eines unerwünschten Ereignisses beobachtet wurde. Zu den unerwünschten Ereignissen zählten ein mit Fluorchinolonen assoziiertes Aortenaneurysma, Herzrhythmusstörungen inkl. plötzlicher Herztod, akute Leberschäden (inkl. Leberversagen) und die Gesamtmortalität.
Es zeigten sich signifikante Unterschiede zu den UE bei Fluorchinolonen im Vergleich zu den Vergleichsantibiotika. Die Personen mit UE bei Fluorchinolonen waren eher weiblich (58 % zu 54 %) und eher älter (59 Jahre vs. 51 Jahre). Die Gesamtmortalität und Leberschäden waren vor allem in der Gruppe der unter 40jährigen und 40–69jährigen Frauen erhöht. Für Männer jünger als 40 hingegen ist das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöht.
Für jeden Endpunkt konnten erhöhte Risiken festgestellt werden, je nach Wahl des Vergleichspräparats. Zudem stiegen die Risiken mit Höhe der Tagesdosis und kürzerer Nachbeobachtungszeit.
Quelle: BMC Medicine
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