Anpassungen der RiliBÄK gefordert

Serum als Alternativmaterial erhalten
lz
Probenröhrchen
© gamjai/stock.adobe.com
Newsletter­anmeldung

Bleiben Sie auf dem Laufenden. Der MT-Dialog-Newsletter informiert Sie jede Woche kostenfrei über die wichtigsten Branchen-News, aktuelle Themen und die neusten Stellenangebote.


* Pflichtfeld

Die Akkreditierten Labore in der Medizin – ALM e.V. haben eine Anpassung der Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (RiliBÄK) gefordert.

Hintergrund: Die am 30. Mai 2023 veröffentlichte Tabelle B1-1 sieht vor, ausschließlich Plasma als Standardmaterial für die Bestimmung von Kalium und Glukose festzulegen. Diese Vorgabe stelle jedoch eine erhebliche Gefährdung für die Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung dar, insbesondere im ambulanten Bereich, so der ALM e.V. „Wenn eine Regelung keinen erkennbaren medizinischen Nutzen in der Routineversorgung bietet, sondern dadurch eher eine Patientengefährdung entsteht und zudem nur zu höheren Kosten und gestiegenem Aufwand führt, muss sie überarbeitet werden. Die Bestimmung von Kalium und Glukose muss weiterhin auch mittels Serum möglich sein“, erklärt Dr. med. Michael Müller, Erster Vorsitzender des ALM e.V. Auch der Hausärztinnen- und Hausärzteverband unterstütze den Vorstoß. So kritisierte Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes: „Diese Idee ist am Schreibtisch geboren und wird den Praxistest nicht bestehen. Wir haben bereits gegenüber der Bundesärztekammer darauf gedrängt, diesen Fehler zu korrigieren und Serum weiterhin als Alternativmittel zuzulassen.“

Rechtzeitige Zentrifugation muss sichergestellt sein

„Die neuen Vorgaben der RiliBÄK stellen die medizinischen Labore und Arztpraxen als Einsender vor erhebliche praktische Herausforderungen. Besonders problematisch ist das deutlich kürzere Zeitfenster für die Zentrifugation von Plasmaproben. In der ambulanten Versorgung, wo längere Transportwege häufig sind, erhöht sich dadurch die Fehleranfälligkeit erheblich. Im praktischen Arbeitsalltag in den Arztpraxen ist eine Zentrifugation innerhalb einer Stunde nach Blutentnahme oft nicht möglich, da Zentrifugen in den meisten Praxen nicht mehr zum Inventar gehören und das Fachpersonal für die Durchführung fehlt. Eine Umsetzung würde bei durchgehendem Patientenkontakt stetig überwacht, bearbeitet und dokumentiert werden müssen. Zudem ist die Zentrifugation bei Hausbesuchen oder der Versorgung von Pflegeheimbewohnern überhaupt nicht realisierbar“, betonte Prof. Dr. med. Jan Kramer, Internist und Laborarzt sowie Stellvertrender Vorsitzender des ALM e.V. „Der gut gemeinte Versuch, die Präanalytik der Kaliumbestimmung durch Plasma zu verbessern, führt in der Praxis zu gegenteiligen Effekten und gefährdet die Verlässlichkeit der Kaliumwerte unter diesen Bedingungen. Serum muss daher in der Routineversorgung als Alternativmaterial erhalten bleiben, wenn eine Zentrifugation nicht innerhalb von 30 Minuten bis maximal einer Stunde sichergestellt werden kann“, so Kramer weiter.

Online-Petition findet breite Unterstützung

Mitte Dezember hatte die Arbeitsgruppe Qualitätsmanagement des ALM e.V. eine Online-Petition gestartet, die innerhalb kurzer Zeit von mehr als 1.600 Personen unterzeichnet wurde. Sie fordern die Bundesärztekammer nachdrücklich dazu auf, die Richtlinie umgehend zu überarbeiten und Serum weiterhin als Alternativmaterial zuzulassen. „Die Versorgung muss sich an patientenzentrierten Anforderungen orientieren und darf nicht durch praxisferne Regularien gefährdet werden. Wir vertrauen darauf, dass die Sachargumente nicht nur aufgenommen, sondern auch richtig bewertet werden. Es ist dringend notwendig, dass die Bundesärztekammer jetzt endlich eine Entscheidung für die weitere Nutzung von Serum als Alternativmaterial in der Patientenversorgung trifft“, erklärten Kramer und Müller übereinstimmend.

Bereits seit Veröffentlichung der neuen Vorgaben der RiliBÄK seien Vertreter der Arbeitsgruppe Qualitätsmanagement des ALM e.V. im sachlichen Dialog mit der entsprechenden Fachgruppe der RiliBÄK sowie mit Vertretern der Bundesärztekammer, um die Notwendigkeit des Erhalts von Serum als Alternativmaterial fachlich darzulegen. Die Gremienarbeit der Bundesärztekammer habe jedoch bislang zu keinem Ergebnis geführt. Mit Veröffentlichung der Tabelle begann eine dreijährige Übergangsfrist bis zur verpflichtenden Verwendung ausschließlich von Plasma. Da die Tabelle in der Versorgung praktisch nicht umsetzbar sei, sei eine Entscheidung zur weiteren Verwendung von Serum für die Patientenversorgung notwendig und dringend erforderlich, heißt es.

Praxisstudie bestätigt Befürchtungen

Eine aktuelle Studie (Reuter et al., PLOS One) der Arbeitsgruppe Qualitätsmanagement des ALM e.V. zeige, dass unter routinetypischen Bedingungen in 86 Prozent der Patientenfälle in Plasmaproben aus niedergelassenen Praxen Pseudohyperkaliämien auftreten, wenn die Zentrifugation nicht im Zeitfenster von maximal einer Stunde nach Blutentnahme durchgeführt werde. In unzentrifugiertem Vollblut/Plasma wird kontinuierlich Kalium aus den Erythrozyten freigesetzt, was zu einem zeitabhängigen Kaliumanstieg führt. Plasmabezogene Referenzbereiche setzen ein striktes Zeitfenster von 30 Minuten (maximal 1 Stunde) zur Zentrifugation voraus. Wird dies nicht eingehalten, treten in Plasma entsprechend häufiger Pseudohyperkaliämien auf als in Serum.

Für die Diagnose und Therapieüberwachung von Diabetes mellitus sind spezielle Röhrchen mit Glykolyseinhibition erforderlich, da Glukose ansonsten abgebaut und daher falsch niedrig bestimmt werden kann. Daher werden diese Spezialröhrchen bereits heute in der Routineversorgung zur Diagnosestellung des Diabetes mellitus eingesetzt. Ein Ausschluss von Serum als Untersuchungsmaterial würde jedoch die Bestimmung, beispielsweise in Notfallsituationen oder den heute üblichen, spontan erhobenen orientierenden Glukosewerten aus Serum, verhindern. Solche Werte seien aus laborärztlicher Sicht essenziell, da erhöhte Spontanglukosewerte oft einen Warnhinweis darstellten. Die Unterstützung der Früherkennung der Volkserkrankung Diabetes mellitus und auch die Notfalldiagnostik aus Serum müssten daher weiterhin möglich bleiben, so der ALM e.V.

Literatur:
Reuter T, Müller M, Stelter F, Durner J, Kramer J: Time as a significant factor in the release of potassium from lithium heparin plasma and serum. PLOSone, Published: December 9, 2024, DOI: doi.org/10.1371/journal.pone.0313572.

Quelle: ALM e.V.

Artikel teilen

Online-Angebot der MT im Dialog

Um das Online-Angebot der MT im Dialog uneingeschränkt nutzen zu können, müssen Sie sich einmalig mit Ihrer DVTA-Mitglieds- oder Abonnentennummer registrieren.

Stellen- und Rubrikenmarkt

Möchten Sie eine Anzeige in der MT im Dialog schalten?

Stellenmarkt
Industrieanzeige